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Grünes Forum » Regional » Berlin » Umstrittener Naturschutz-Preis wird erneut verliehen

Umfrage: Soll Berlin den Naturschutzpreis umbenennen?
   (Gestartet: 16.11.2005 21:19 - zeitlich unbegrenzt)

»  Ja4  
100 %
»  Nein0  
 


Seite 1 (Beiträge 1 bis 9 von 9)
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AutorBeitrag
soenke
Forums-Mitglied


dabei seit 24.06.2005
Geschrieben: 16.11.05 21:13


Berlin verleiht erneut seinen umstrittenen Umweltpreis. Vor einem Jahr hatte es scharfe Kritik am Namensgeber gegeben: Dr. Victor Wendland war schon seit 1934 ein führender Kopf im Berliner Verbandsnaturschutz - nicht erst nach dem Krieg. Verfolgte jüdische Naturschützer wurden dagegen nicht angemessen geehrt. Trotzdem hält die Stiftung Naturschutz Berlin weiter an dem Namen fest: Am 24. November wird der "Wendland-Ehrenring 2005" überreicht.

Die Kritik
Die Umsetzung des Arierparagraphen ab 1934 und das "Vergessen" jüdischer Naturschützer nach 1945: "Zweite Schuld" auch im Berliner Naturschutz:
 http://de.indymedia.org/2005/01/103804.shtml

Die Position der Stiftung Naturschutz Berlin
"Jemand, der diese Zeit nicht miterlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie schwierig die Gratwanderung war, wenn man sich nicht mit dem System einlassen wollte und doch irgendwie seine Existenz sichern musste. Ehrenamtlicher Naturschutz war auch eine Nische, in der man relativ fern der Politik ein sinnvolles Engagement fortsetzen konnte. Die wenigen noch lebenden Freunde und Bekannten wissen über Wendland nichts anderes zu berichten, als dass er ein unermüdlicher Naturschützer war, der sich auf kommunaler Ebene auch im 'Dritten Reich' kritisch engagierte . Noch in den letzten Kriegsjahren veranstaltete er vogelkundliche Wanderungen."
 http:// www.grueneliga-berlin.de/rabe_ralf/rabe_archiv_2005/04_05_2005/wendland.html

Die offizielle Seite des Wendland-Ehrenrings
 http:// www.stiftung-naturschutz.de/stiftung/ehrenring.php

Der Beweis, dass es auch anders geht
Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher arbeitet seine Vergangenheit auf (mit Kapiteln über jüdische Naturschützer in Berlin und einem Abschnitt über Victor Wendland):
 http:// www.hoehlenkataster-hessen.de/vdhk/vm02_05.pdf (3 MB!) - Seite 48-55

Die 18. Verleihung der höchsten Berliner Naturschutzauszeichnung findet am 24. November 2005 um 18 Uhr im Hauptgebäude der Allianz AG (Treptowers, S-Bhf Treptower Park) statt.


die kernspaltung hat alles verändert, nur nicht die art unseres denkens. [albert einstein]

One
Moderator


dabei seit 28.01.2004

ICQ
Geschrieben: 16.11.05 21:31


interessant, interessant.

gibt es denn belege, dass wendland selbst aktiv faschistisch war, oder hat er "nur" (ich bitte sehr, die anführungszeichen zu beachten) im kontext der zeit gehandelt?


Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

soenke
Forums-Mitglied


dabei seit 24.06.2005
Geschrieben: 17.11.05 02:23


Nein, es gibt keine Belege für eine nationalsozialistische Gesinnung bei Wendland, aber auch nichts positiv Klärendes, was z.B. die Umsetzung des Arierparagraphen im Berliner Naturschutz betrifft. Belegen lässt sich aber das systematische "Vergessen" (z.B. Hilzheimers und Wolfs) nach dem Krieg unter Wendlands Ägide. Ich gehe nicht so weit wie Bernd Schütze mit seinem harten Urteil über Wendland & Co. (vielleicht liegt es daran, dass ich in der DDR gelebt habe, Schütze in der BRD), aber auch ich halte den Namen Wendland für den wichtigsten Berliner Naturschutzpreis für nicht mehr tragbar. Es geht ja nicht darum Wendland zu verdammen oder für schuldig zu erklären - aber er muss vom Sockel runter. Er kann nicht DAS Vorbild für demokratische Berliner Naturschützer sein, wie es der Name des Preises nahelegt. Da sind Menschen zu Tode gekommen - das kann doch nicht verschwiegen werden!


die kernspaltung hat alles verändert, nur nicht die art unseres denkens. [albert einstein]

Matthias Bauer
Forums-Mitglied


dabei seit 07.06.2004
Geschrieben: 19.11.05 01:31
zuletzt geändert: 28.12.05 00:59 durch Matthias Bauer (insgesamt 4 mal geändert)


Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer noch mehr wissen möchte, dem sei ein Tagungsband empfohlen: "Naturschutz und Nationalsozialismus - Erblast für den Naturschutz im demokratischen Rechtsstaat?" hieß ein Kongress vor drei Jahren, und (fast) so heißt auch das Buch.

Kürzer, billiger und mindestens genauso interessant ist die kritische Rezension des Buches in der Zeitschrift für die Sozial- und Ideengeschichte der Umweltbewegungen "Grüner Weg 31a". Da geht es nämlich darum, dass die Zusatzfrage "Erblast für den Naturschutz im demokratischen Rechtsstaat?" in den meisten Tagungsband-Beiträgen entweder gar nicht gestellt oder einfach mit Nein beantwortet wurde. Konsequenterweise taucht diese Frage - die ja nicht umsonst der Kongress-Untertitel war - im Titel des Tagungsbandes gar nicht mehr auf.


Der Rabe Ralf // dem niemand half // half sich allein // am Rabenstein. (Morgenstern)
www.grueneliga-berlin.de/rabeserien.html

One
Moderator


dabei seit 28.01.2004

ICQ
Geschrieben: 24.11.05 13:50


dann verstehe ich die haltung der stiftung nicht, da ich sie in meiner berliner zeit als recht progressiv kennengelernt habe.


Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

Freimut
Forums-Mitglied


dabei seit 27.11.2005
Geschrieben: 27.11.05 03:15


was war denn so progressiv an der stiftung naturschutz?

ich fand zum beispiel die zeitschrift grünstift, die sie bis vor einigen jahren herausgegeben haben, immer ziemlich senatsnah (und das bei einer teilweise ganz fürchterlichen senatspolitik).

und teekampagnen-tee zu verkaufen hat auch nicht viel mit naturschutz oder progressiv-sein zu tun.

aber nun sieht man es ja, was da los ist - man muss bloß mal den mittelteil der wendlandring-rede vom letzten jahr lesen: unkritisch, abwiegelnd, selbstgerecht.

wenigstens wurde dieses jahr mit dem biberexperten wilhelm recker ein wirklich engagierter naturschützer aus der praxis ausgezeichnet.
dass das ausgerechnet in der konzernzentrale der allianz ag im treptowers-wolkenkratzer stattfinden musste, ist leider typisch für einen scheuklappen-naturschutz, der sich das geld von reichen naturzerstörern holt, welche gern mit ein paar euro ihr image aufpolieren.
 

One
Moderator


dabei seit 28.01.2004

ICQ
Geschrieben: 29.11.05 13:03


also ich kenne die stiftung vor allem aus ihrem FÖJ-engagement und da kam sie mir schon sehr ok vor.

z. b. war ja das thema des landesaktionstages der FÖJler "fairer handel". das ist ein thema, was in der klassischen umweltbewegung noch nicht angekommen ist.

es gibt ja nicht die stiftung an sich als homogene masse, sondern verschiedene personen mit verschiedenen intentionen.

was die allianz umwelt stiftung angeht (die ja z. b. auch den mauerpark finanzierten), so kenne ich nicht genug details. in unserer gesellschaft brauchen umweltprojekte nunmal auch geld, das ist ein faktum. man kann sich halt entscheiden, ob man immer nur auf die großartige weltrevolution wartet und nur rumfasselt oder konkret heute und hier was ändern will. das geht - bei bestimmten projekten - nunmal nur mit geld und das wächst ja auch nicht an bäumen.


Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

Freimut
Forums-Mitglied


dabei seit 27.11.2005
Geschrieben: 30.11.05 00:24
zuletzt geändert: 30.11.05 00:26 durch Freimut (insgesamt 1 mal geändert)


ja, das eine sind die föj-betreuer/innen, die pädagogisch und ökologisch vorgebildet sind und größtenteils eine gute arbeit machen - jedenfalls kenne ich überwiegend föj-ler/innen, die von den seminaren (die das föj begleiten) angetan bis begeistert waren.

und das andere ist ein stiftungsrat, der offensichtlich von politikern dominiert wird, die weniger an die sache denken und hauptsächlich ans image.
vom stiftungsratschef und ex-bausenator norbert meisner (spd) sind zum beispiel keine ökologischen großtaten bekannt geworden.

wahrscheinlich war der wendland wirklich kein nazi und hat "nur" versucht, seinen naturschutz irgendwie zu retten.
das hätte ich vielleicht auch gemacht - ich bin weder mutig noch besonders standhaft.
aber nach mir wird ja auch kein preis benannt!

an so einen preisträger sollte schon ein strenger maßstab gelegt werden dürfen - auch was die dinge außerhalb des naturschutzes betrifft.
und wenn sich dann keine/r findet, kann man ja den preis auch "berliner naturschutzpreis" oder "öko-ehrenring" oder "wahrer freund der märkischen wildnis" nennen.

verlange ich da zu viel?
wird nicht theodor fontane - ein notorischer antisemit - bis heute als großer literat anerkannt?
 

Freimut
Forums-Mitglied


dabei seit 27.11.2005
Geschrieben: 26.05.07 21:31


Eine gute Nachricht:

Zitat:
Anstelle des Victor-Wendland-Ehrenrings wird die Stiftung Naturschutz Berlin ab 2007 den Berliner Naturschutzpreis verleihen

Dies fand sich im Kleingedruckten der offiziellen Einladung im Mai 2007. Ein schöner Erfolg für alle, die sich für eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte im Berliner Naturschutz eingesetzt haben!

Der nächste Schritt muss nun eine angemessene Würdigung der Verdienste von Wolf und Hilzheimer sein.
 


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